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alte Luftbrücke
Die Luftbrücke erbaut 1972
Die Brücke hatte ihr Lebensende erreicht und wurde am 28.04.05 abgetragen
 

Tausende von Bürgern sind es, die jedes Jahr - und nicht nur zur Sommerszeit - die Verbindung zwischen dem Leninpark einerseits und dem Gommlaer Berg bzw. der Elften Stunde andererseits nutzen, sei es nun bei einem erholsamen Spaziergang oder, um den Weg angenehm zu verkürzen. Luftbrücke heißt der beliebte Überweg, der ausschließlich für Fußgänger bestimmt ist. Die derzeitige Brücke ist nur die jüngste in den „Generationen" der Luftbrücken. Wie viele es gab, ist nicht genau bekannt.

Die Luftbrücke um 1850
Die ersten Fußgängerbrücken an dieser Stelle im Elstertal baute man auch nicht, um den Einwohnern des Städtchens Greiz eine Erleichterung oder eine Annehmlichkeit zu verschaffen, sondern sie waren Bauwerke im Dienste der fürstlichen Landesregierung. Wie jene Brücken aussahen, ist nicht bekannt, denn die älteste fotografische Darstellung stammt erst aus unserem Jahrhundert. Die Bedeutung eines Wirtschaftsweges erhielt die Luftbrücke sicherlich mit der Anlage eines Wildparks im Gommlaer Wald im Jahre 1861. Immerhin war die Brücke die kürzeste Verbindung für die Herrschaft und deren Beauftragte.
„Luftbrücke" Wie entstand der Name?
Ob nun Park- oder Luftbrücke, „luftig" genug dürften sie alle gebaut gewesen sein, rechtfertigen also die Bezeichnung. Die älteste der uns bekannten war von leichter Holzkonstruktion, ruhte auf drei hölzernen Stützen, die eher an Stelzen erinnern. Schon kleineres Hochwasser genügte, die Brücke wegzureißen. Dem beugte man vor. Der früherer Gartenmeister Willy Z e i ß hat es noch mitgemacht und sagte einmal: „Die Brücke wurde Ende Oktober abgebaut und alle ihre Teile im Bauhof (heute ist hier der Schlossgarten) gelagert. Erst im Juni hat man die Brücke wieder eingebaut, weil bis dahin immer noch mit Hochwasser zu rechnen war. 1926 war das letzte Mal .Besagte leichte Brücke hatte auch eine Türe, luftdurchlässig wie die Seitenwände. Die Tür war doppelt so hoch wie die Seitenwand der Brücke, es sollte ja keiner darüber steigen. Diese Tür verlor wohl mit der Auflösung des Wildparks ihre Bedeutung, ganz sicher aber, als der fürstliche Park nach der Novemberrevolution 1918 in staatlichen Besitz überging.
Die „Stelzenbrücke" genügte Ende der 20er Jahre den Anforderungen nicht mehr.
So bekam Greiz 1928 eine Kastenbrücke. Sie war weit weniger „luftig", ruhte aber sicherer auf steinernen Pfeilern. Diese hatte einen Strompfeiler, war reichlich 36 m lang und 1,40 m breit. Auch ihr ging es bei der Sprengung 1945 ans Leder! Trägerteile wurden stark beschädigt. Die Instandsetzung übertrug man Zimmermeister Paul Seidel, der bis 8. Mai 1945 einen Teil geschafft hatte. Ein knappes Jahr später hieß es im „Thüringer Volk": „Luftbrücke in Gefahr!". Ein Bauteil fehlte, „Begehen auf eigene Gefahr1.", im August die Mitteilung, die Brücke „wird ausgebessert", ab Dezember blieb sie bis auf weiteres wegen Instandsetzungsarbeiten gesperrt. Auch die Zeit ging vorüber, die Brücke war dann auch wieder für Jahre begehbar.
Noch im selben Jahr nahmen sich Schüler und Dozenten der in Greiz seit 1951 ansässigen Fachschule für Bauwesen der Sache an. Schon am 6. August 1953 konnten sich die Leser der „Volkswacht" anhand eines Fotos ein Bild machen von der neuen Brücke, bei der Rundhölzer das dominierende Material waren.

Die Luftbrücke nach der Fertigstellung

Die Luftbrücke um 1850 Eine Zeichnung eines unbekannten Malers.

Luftbrücke um 1916

Die im Volksmund genannte Kastenbrücke

Bis an einen tragischen 3.Februar 1953, als parkseitig eine etwa 200 Jahre alte Linde unter der Last des Schnees auf die Brücke stürzte.
Geschichte der 200 jährigen Greizer Luftbrücke
Nach dem Hochwasser 1954 griff die Fachschule für Bauwesen der stark geschädigten Brücke wiederum unter die Arme.
Foto Klaus Weinbrecht  
Luftbrücke 12.07.1955 /2 Foto Wolfgang Neudeck, Salzgitter
1966 hatte der Verschleiß die Brücke eingeholt, ein Teil stürzte ein, keine Reparatur mehr möglich. Ende Mai 1970 wurde sie durch die Firma Schrenner mit Hilfe eines Autokranes abgetragen.

Am 10. November 1972 wurde eine neue Brücke durch Bürgermeister Wolfgang Bernhardt übergeben.
Seit 21. Mai 2002 war die Luftbrücke wieder gesperrt: Akute Gefahr wegen Baufälligkeit trotz „Routinekontrollen und kleinerer Reparaturen durch die Stadt". Eine Studie (50% der Kosten dafür will die Stadt tragen) soll Auskunft geben „was notwendig ist, um die Brücke wieder begehbar zu machen".
Dabei sei zu untersuchen, ob ein Neubau „näher zum Küchenhaus gerückt werden könne". Die Idee war aber nicht neu, denn diese Überlegungen gab’s schon vor 80 Jahren.

Literaturnachweis:
Textauszug Greizer Heimatkalender 1984 u.2003 v. A. Waldmann
Unterlagen u. Bilder Parkverwaltung Greiz
Postkarten Sammlung M. Jung

Der hölzerne Brückenboden war verfault und die Stahlkonstruktion vom Rost überzogen. Nachdem man den Brückenbelag entfernte, waren auch die Rostfraßstellen an den Stahlträgern und Winkelverstrebungen, wie man auf den Bildern sieht, nicht mehr zu übersehen.
Die Folge war, die Brücke blieb fast 2 Jahre wieder gesperrt.

Die Luftbrücke 2002
Nach 2 Jahren friedlichen Weiterrostens, wurde die Brücke 2004 doch noch ein Mal instand gesetzt.  
Abschied von der alten Luftbrücke

Abschied von der alten Luftbrücke, denn sie soll in den nächsten Tage demontiert werden.

Am 28.04.05 wurde die Luftbrücke demontiert

Vorbereitungsarbeiten für die neue Luftblücke

Die Vorbereitungsarbeiten für die Brückendemontage dauerten fast ein Jahr und sind nun abgeschlossen und auch die für den Neubau. Begonnen hatte es, als die Greizer Firma Dietel den Stahl an das Stahlbauunternehmen Wimmer in Triebes lieferte, das dann die Träger anfertigte und verzinken konnte. Die Mitarbeiter des Bauhofes der Stadtverwaltung Greiz bereiteten eine Behelfsstraße von der Parkgasse durch den Park bis zur Brücke, um für einen reibungslosen Transport der Stahlteile, Beton und Holz zu sorgen. Auch der Hochwasserschutzdeich neben der Brücke wurde für die Einfahrt zum Elsterflussbett für Kran und Tieflader abgeschrägt. Die ZIBA-Bau-GmbH Greiz sanierte dann den Mittelpfeiler, sowie die beiden Widerlager an den Ufern. Die Firma Wimmer montieren dann anschließend die Stahlträger. Die Gestaltung des Geländers soll nach historischen Unterlagen, eher zierlich aus Holz erstellt werden. Da die Brücke auf drei Grundstücken liegt, machte das Beschaffen aller nötigen Unterlagen viel Arbeit, denn das Parkufer gehört der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, der Mittelpfeiler im Fluss dem Staatlichen Umweltamt Gera, das auch für die Gewässer zuständig ist, und das Waldufer gehört dem Forstamt, aber die Zusammenarbeit hatte gut geklappt.
Die Stadt hat die Verantwortung, Federführung und die Planung für den Bau der Luftbrücke übernommen. Wobei dem Bürgermeister Dr. Andreas Hemmann vor allem zu verdanken ist, dass die Luftbrücke als Gemeinschaftsprojekt nun gebaut wird.

Firma Michael Held bei der Demontage der Brücke

Stahlträger für die neue Luftbrücke montiert

15.07.05
Die Greizer sollen noch im August ihre Luftbrücke wieder bekommen. Gestern wurden mit Hilfe von 2 zwei großen Autodrehkränen der Firma Held zwei 11.5 und einen 10 m langen Stahlträger auf die Brückenfundamente montiert. Die Vorbereitungs- und Montagearbeiten wurden von der Triebeser Firma Wimmer erledigt.
Jetzt fehlen nur noch der Bodenbelag und das Geländer.

Firma Winner und Firma Held bei der Montage der Stahlträger / Fotos(3): Klaus Weinbrecht
Die neue Luftbrücke

Die Träger der Brücke sind montiert. Nun fehlt nur noch der Brückenbelag, das Geländer und die Anbindung.

Zimmerei Lesko bei der Montage der Holzaufbauten

Die Zimmerei Heinz Lesko verwendete für den Brückenbelag Lärche und für das Geländer kam Douglasie zum Einsatz. Douglasie ist ein Holz der Oregon Pinie und zählt zu den höchsten Bäumen der Erde. Das Geländer ist nach altem historischem Vorbild (18. Jahrhundert.) mit Andreaskreuzen verziert und weiß gestrichen. Aus Unfallschutzgründen sind die Andreaskreuze mit einem Drahtgitter eingerahmt.
Für den Brückenbelag kamen 2,5 m² Lärchenholz zum Einsatz und für das Geländer ca. 8,5m² Douglasie. Alle Hölzer wurden in Auma mit Hochdruck imprägniert.

Die neue Luftbrücke

Die neue Luftbrücke ist fertig und wartet auf ihre Einweihung

Einweihung der neuen Luftbrücke am Freitag, den 09. September 2005

Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Dr. Helmut-Eberhard Paulus aus Rudolstadt
und Bürgermeister Dr. Andreas Hemmann bei der Einweihung der Brücke

Einweihung der Brücke

Seit gestern Mittag ist die Luftbrücke über die Weiße Elster wieder begehbar. Es hatten sich ca. 200 Bürger zur Freigabe der Brücke eingefunden. Unter ihnen war auch der Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Dr. Helmut-Eberhard Paulus aus Rudolstadt, Planer und Bauausführende, die von Bürgermeister Dr. Andreas Hemmann herzlich begrüßt wurden. Der Greizer Bürgermeister bedankte sich bei allen, die sich an der Vorbereitung und Montage der Luftbrücke beteiligt haben, vor allem Dr. Paulus für die kooperative Zusammenarbeit, den Sponsoren, den Planungs- und Baufirmen, den privaten Spendern und nicht zuletzt den Abgeordneten des Stadtparlaments, die den Brückenbau stets als prioritäre Maßnahme betrachteten und die erforderlichen finanziellen Mittel bereit stellten. Es sei manchmal gar nicht so leicht, eine Brücke zu bauen, ergänzte dann Dr. Paulus in seinen Grußworten. Doch sei es Dr. Hemmann gewesen, der stets die Fahne hoch gehalten und gesagt hat, wir wollen unsere Brücke wieder haben. Diese bezeichnete Dr. Paulus als ein Denkmal der Eigeninitiative der Bevölkerung von Greiz. Auch die Geld- und Sachspenden für diese Brücke seien ein respektables Ergebnis.

Die neue Brücke habe etwa 141.000 € gekostet.
39.500 € wurden durch Spenden von Greizer Bürgern und Unternehmen erbracht. Die Spender sind auf einer Tafel am Brückengeländer verewigt worden.
Die TAWEG, die einen Sammler unter einen Widerlager instand setzte, steuerte 19.500 € bei.
Den Rest von 82.00 € wurden von der Stadt Greiz und der Stiftung getragen.

Freigabe der neuen Luftbrücke
Band-Schnitt durch Fred-Olaf Brockmann (Taweg), Dr. Helmut-Eberhard Paulus (Stiftung) und Dr. Andreas Hemmann Bürgermeister

Die Brücke ist wieder begehbar

Das Band ist zerschnitten, die Brücke ist freigegeben, und die Besucher der Einweihung gehen als ersten über die Brücke.